Die Flüchtlingsstraße  
Es war während des Golfkrieges, als Nada und ihre Familie sich entschieden, aus dem Irak zu fliehen. Als sie ihr Land verließen, ahnten sie nicht, dass sie die folgenden 7 Jahre ihres Lebens auf Istanbuls Straßen verbringen und um ihr Überleben kämpfen würden ( in Istanbul leben ungefähr eine viertel Million Flüchtlinge ). Als illegale Flüchtlinge war ihre Zukunft ungewiss. Sie lebten in ständiger Angst vor
Abschiebung. Sie hatten kein Recht auf legale Arbeit, keine Krankenversicherung und die Kinder hatten kein Recht, die Schule zu besuchen.
Hoffnungslosigkeit, verursacht durch Krieg, Gewalt, Verfolgung, Hunger und Wirtschaftskrisen haben weltweit mehr als 37.000.000 Menschen gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen. Die, die können, versuchen Länder zu erreichen, von denen sie gehört haben oder hoffen, dass es dort für sie ein besseres Leben gibt. Es sind weltweit die gleichen Wege, auf denen Flüchtlinge unterwegs sind. Diese Wege sind bekannt als Flüchtlingswege. Einer von 275
Menschen, die heute leben, hat Zeit auf diesen Wegen verbracht. Wohin sie sich auch immer wenden, überall begegnen sie der Botschaft: "Eintritt verboten". Ein kurzer Blick in die Nachrichten genügt, um zu sehen, dass Flüchtlinge aufgrund von Furcht und Ablehnung nicht willkommen sind. Anstatt in ihnen bedürftige Menschen zu sehen, werden sie von Politikern und Medien als Gefahr für die Wirtschaft und nationale Sicherheit eingestuft. Während die Zahl der Flüchtlinge weltweit ständig
steigt, gibt es zugleich immer weniger Zufluchtsorte, und somit bleiben unzählige Flüchtlinge unversorgt und weiterhin verwundbar ihrem Schicksal überlassen. Der Flüchtlingsweg ist eine Narbe, die sich tiefer und tiefer in unsere Welt eingräbt und damit immer deutlicher ihre Wunden zeigt. Dieser Weg ist durchtränkt mit Tränen der Einsamkeit, der Furcht und der Entmutigung und er ist ein deutliches Zeichen, dass die Menschheit einen Retter braucht. Gott ruft seine Gemeinde, die Menschen auf dem Flüchtlingsweg zu begleiten, damit sowohl die Flüchtlinge, als auch die Welt Gottes Herzen in uns sehen können.
Flüchtlinge in der Bibel
Die Bibel ist voll mit Geschichten über Flüchtlinge. Viele von ihnen werden keineswegs nur als bedürftige, sondern als begabte und tüchtige Menschen beschrieben. Diese Tatsache lässt sich auf die Gegenwart durchaus übertragen. Das Buch Ruth beschreibt, wie die Liebe zur Fremden zu einem unerwarteten gegenseitigen Segen werden kann. Boas lehnte es ab, in Ruth, einer Moabiterin, eine billige Arbeitskraft oder eine Bedrohung seines Wohlstands zu sehen. Vielmehr sah er sie als verwundbare Person, die Schutz und Hilfe brauchte. Er
zeigte, was es bedeutet, wenn in 3.Mose19,34 steht: "...du sollst den Fremden lieben wie dich selbst". Ruth wurde gesegnet, indem sie dadurch zu einem Mitglied des von Gott auserwählten Volkes wurde. Der Segen kam auf Israel zurück und Ruth wurde die Urgroßmutter Davids. David selbst war viele Jahre lang ein Flüchtling, als er sich vor König Saul verstecken musste. Jonathan, sein Freund, wusste, wie schwer es für David war und besuchte ihn in der Wüste, um ihn "zu ermutigen, nicht aufzugeben, sondern auf die Hilfe Gottes zu vertrauen." (1.Sam. 23,16) Es ist nicht verwunderlich, dass so viele von Davids Psalmen über die Zuflucht in Gott sprechen.
In der frühen Kirchengeschichte mussten viele Christen aus ihrer Heimat fliehen, weil sie dort wegen ihres Bekenntnisses verfolgt wurden. Inmitten der persönlichen Krise bewiesen diese Gläubigen großen Mut und Glauben, als sie "überall die Heilsbotschaft von Jesus verkündeten" (Apg.8,4).
Nada und ihre Familie folgen den Fußspuren dieser Christen auf dem Flüchtlingsweg. Zehn Jahre vor ihrer Flucht in die Türkei war Nada zu einer Nachfolgerin Jesu geworden. Während sie als Flüchtling in Istanbul lebte, litt sie zunächst auch sehr unter dem Mangel an Gemeinschaft mit anderen Christen. Doch Gott wusste um ihre Not und überraschte Nada und ihre Familie, indem er durch sie selbst eine arabische Gemeinde unter den Flüchtlingen gründete. Zuletzt haben viele in Gott Zuflucht gefunden.
Von seinen Leuten erwartet Gott, dass sie sich in Liebe um die Flücht-linge kümmern, anstatt ihnen mit Furcht und Ablehnung zu begegnen. Sein Wort macht deutlich, dass wir aufgefordert sind, ihnen Gerechtig-keit, Barmherzigkeit und Aufnahmebereitschaft in unseren Städten und Nationen zu erzeigen. Er erwartet von uns, dass wir ihnen von der Zu-flucht erzählen, die wir selbst in Jesus gefunden haben. Er erwartet von, dass wir uns Ihm zur Verfügung stellen, damit er uns wie einen Jonathan in die Wüste schicken kann,
um Brüdern und Schwestern wie David und Nada zu helfen, Stärke in Gott zu finden. Wie in der Zeit von Boas und Ruth ist es Gottes Absicht, dass Sein Volk ein Segen sein und durch Flüchtlinge gesegnet werden soll. Gott ruft uns, am Flüchtlingsweg präsent zu sein, weil nur die Gemeinde Jesu eine Hoffnung hat, die die Leute auf dem Weg so dringend brauchen. "

Unterdrückt die Fremden nicht, die bei euch leben, sondern behandelt sie wie euresgleichen. Liebt sie wie euch selbst..." (3. Mose 19,34).
© 2002 International Teams. Geschrieben von Tom Albinson, Leiter der Flüchtlingsarbeit, IT